Review: „Fright Night“ (2011)

Durchschnittsteenager Charley Brewster (Anton Yelchin) hat es kürzlich vom Nerd zu den coolen Kids der Highschool geschafft, da macht ihn sein ehemals bester Freund darauf aufmerksam, dass die Klassenzimmer langsam ausdünnen: Freunde und Mitschüler verschwinden auf unerklärliche Weise. Gleichzeitig zieht der charismatische Jerry (Colin Farrell) ins Nachbarhaus ein und Charley schwant, dass der Neuankömmling ein Vampir sein könnte. Er sucht Hilfe beim Bühnenmagier und vermeintlichen Vampirexperten Peter Vincent (David Tennant), der in Las Vegas die Show Fright Night aufführt – doch der nimmt ihn nicht ernst.

Fright Night ist das Remake der gleichnamigen Horrorkomödie von 1985, einem dieser Filme, die noch bis vor einigen Jahren nachts auf Sat 1 liefen, wenn dem Programmdirektor mal wieder die Luft aus dem Schädel dampfte. Mittlerweile muss man schon Glück haben, um eine der Wiederholungen zu erwischen – aber dafür gibt es ja jetzt das Remake, oder?

Die Story von dem Jungen, der herausfindet, dass sein neuer Nachbar ein blutsaugender Vampir ist und sich an einen vermeintlichen “Vampir-Experten” aus dem Fernsehen wendet, ist größtenteils gleich geblieben – doch schon Viktor Frankenstein wusste, dass es mehr als ein paar Elektroschocks nötig sind, um einen Toten wiederzubeleben.

Das “gute alte” Original konnte durch seinen heimeligen Charme begeistern: Damals war alles noch auf verklärte Weise kitschig und angelehnt an eine Zeit, als man sich noch vor “Geschichten aus der Gruft” gruselte. Der Horror entsprang der Enge der Kleinstadt und dem Wissen, dass direkt nebenan ein untotes Monster einzieht. Doch das Fright Night der Neuzeit hat diesen Charme lieber gegen knackige Bikini-Mädels eingetauscht. Irgendwie wurde die Story nach Nevada verlegt, in den unmittelbaren Dunstkreis des glitzernden Las Vegas und poof! hat sich ein Großteil der Atmosphäre in Luft aufgelöst. Gruselige Vampirnachbarn funktionieren in der kleinen Wüstenstadt einfach nicht so gut. Im Internetzeitalter wirkt es lächerlich, dass selbst der größte Nerd noch glauben würde, in einem Magier aus dem Internet einen echten Vampirjäger zu erkennen. Aus dem kultigen Fernsehopa der Sendung “Fright Night” wurde ein moderner Bühnenillusionist – wer käme auf die Idee, mit so einem Aufreißer auf Vamirjagd zu gehen?

Charley, den Protagonisten, hat man aus seinem Kinderzimmer mit Blick auf das Monsterhaus in eine Highschool-Prom-Situation geschrieben, wie sie in gefühlt jedem amerikanischen Horrorfilm auftaucht, indem der Held noch nicht alt genug ist legal Bier zu trinken. Anton Yelchin ist eine gute Wahl für die Hauptrolle; auch wenn er stellenweise wie ein Mitzwanziger wirkt, der in die Oberstufe strafversetzt wurde. Man kauft ihm den cool gewordenen Ex-Nerd, der sich mit Videobeweisen vergangener Peinlichkeiten zur Teilnahme an der Vampirjagd erpressen lässt, nicht vollständig ab – doch es reicht, die Story über 90 Minuten zu tragen. Der große Name ist natürlich Colin Farrell: Wenn er dabei ist, besteht vielleicht noch Hoffnung, dass jemand Größeres mit dem Film vor hatte? Farrell wirkt als bleicher Vampir-Overlord sexy und charismatisch – trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass er nur mitmacht, weil er irgendwo ein Sommerhäuschen abbezahlen muss. Einzig David Tennant, den man als eine der vielen Inkarnationen des Dr. Who kennt, macht das beste aus dem Script und spielt den Part des aufschneiderischen Peter Vincent mit der nötigen Überzeichnung, die es für den Film braucht.

Dabei weiß Fright Night ganz gut, mit witzigen Dialogen und kleineren Gags noch etwas Blut in die trockenen Adern zu pumpen. Man nimmt sich ein Vorbild an modernen Nerd-Comedies und sorgt mit Sprüchen wie “Oh Shit! Das sieht wie eine Vampirhand aus!” für Schmunzler. Trotz des Reboots als eine mehr auf Blut und Horror fixierte Variante des alten Stoffs, nimmt der Film sich dankenswerter Weise nicht zu ernst und weiß um seine eigene Lächerlichkeit.

Hätte der Regisseur sich vielleicht mit dem Quellmaterial etwas mehr auseinandergesetzt, wäre es ihm eventuell gelungen dazu noch etwas von der Atmosphäre des Originals einzufangen. Es sind typische Fehler und ausgetretene Pfade, die Fright Night zu unterdurchschnittlicher Kost werden lassen. Man amüsiert sich über das klassiche “Nerds-sind-lustig”-Klischee und ab der Hälfte – als der Film endlich langsam in Fahrt kommt – gibt der smarte Bösewicht die Hälfte seiner IQ-Punkte ab und begeht Dummheiten, die nur dem dramatischen Effekt dienen: Zwei Teenager in ihrem Wagen auf offener Straße umbringen? Ein ganzes Haus, mitten in der Nachbarschaft, in die Luft jagen, nur damit die Bewohner rauskommen? Wie kann es sein, dass noch niemand diesen blutsaugenden Vollpfosten mit einem Holzpfahl in den Boden gerammt hat? Solche ungeschickten Versatzstücke dienen nur, für ein bisschen Action zu sorgen und entlarven, dass dem Regisseur vor der Mittagspause einfach nichts besseres eingefallen ist.

Die billigen Jump Scares und Tricks aus der Mottenkiste des Horror-Genres retten das plätschernde Debakel nicht; sie verschlimmern nur das Elend. Was bleibt, ist eine leere Hülle, die das zentrale Thema des Erwachsenwerdens und des “Entjungfern der Träume” nur als Entschuldigung für den faden Plot mit sich rumschleppt.

Fazit:
Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass man Tote besser ruhen lassen sollte: Aus Fright Night hätte vielleicht ein kurzweiliges Stück Unterhaltung werden können, doch die Frankensteins aus Hollywood haben scheinbar wenig Interesse daran, dass ihre wiederbelebten Zombies auf eigenen Beinen stehen können. Trotzdem kann der Film ab etwa der Hälfte auf eine seichte “Mir-ist-heute-nicht-so-nach-Spannung”-Weise unterhalten…falls etwas besseres gerade nicht greifbar ist.

Fright Night (2011)
Anton Yelchin, Colin Farrel, David Tennant
Regie: Craig Gillespie
Fright Night auf IMDB
Offizielle Website
Bilder © DreamWorks Studios

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