Review: „Herz aus Stahl“ (2014)

Im April 1945 starten die Alliierten ihren letzten Vorstoß gegen die Wehrmacht, mitten auf dem Gebiet des Deutschen Reichs. Staff Seargent Don „Wardaddy“ Collier und seine Mannschaft des Panzers „Fury“ sind von den ständigen Gefechten mit den Nazis gezeichnet und müde vom Krieg. Sie erhalten den Befehl, mit einer kleinen Truppe hinter die feindliche Linie vorzustoßen; da ihr Richtschütze das letzte Gefecht nicht überlebt hat, drückt man ihnen den völlig unerfahrenen Norman auf’s Auge, der eigentlich als Schreiber ausgebildet wurde und gar keine Lust aufs Töten hat.

Totgesagte leben länger: In der jüngeren Vergangenheit schien es, als wären Hitler und sein Drittes Reich endgültig und ein für alle mal besiegt und der zweite Weltkrieg für von den Kinoleinwänden verschwunden. Hollywood landete nicht länger mit den Alliierten in der Normandie, sondern schickte verstärkt Marines auf Terroristenjagd in den Nahen Osten. Über die dunkelste Epoche der Weltgeschichte war alles nötige gesagt und das Thema begraben; da rollt Regisseur David Ayer in einem Sherman-Panzer auf die Bühne und greift mit einem leisen Räuspern den Stoff wieder noch mal auf. Sind Weltkriegsfilme in 2015 noch zeitgemäß? Wirken die Schlachtfelder von damals nicht etwas deplatziert? Ayer scheint anderer Meinung und präsentiert – anders als viele Vorgänger – diesmal nicht die Perspektive des kämpfenden Fußvolks, sondern die Sicht auf das Gemetzel durch das Visier eines Panzers.

„Herz aus Stahl“ beginnt damit, dass Don Collier – genannt „Wardaddy“ – mit der Mannschaft seines Panzers „Fury“ hinter die deutschen Feindeslinien vordringen soll. Er und seine Jungs sind die am längsten zusammen kämpfende Truppe der Amerikaner. Jetzt hat es einen von ihnen erwischt und als Ersatz setzt man ihnen einen blutigen Neuling vor: Norman Ellison ist eigentlich als Schreiber ausgebildet, wurde einfach vom Laster gezogen und zu den Panzern geschickt, obwohl er kaum sein Gewehr alleine halten kann. Collier und seine Jungs sind wenig begeistert, denn schon bald zeigt sich, dass der Frischling nicht nur keine Ahnung hat, sondern ihm noch Skrupel in den Knochen hängen, die das Überleben der Truppe gefährden: Wer nicht auf den Feind schießt, riskiert, dass der Feind zuerst schießt.

Im Mikrokosmos des klaustrophobischen Panzerinneren muss Norman zum Mann werden. Regisseur Ayer verfolgt dabei keine moralische Botschaft, wie „Der Soldat James Ryan“, sondern will die Professionalisierung des Tötens zeigen, die Verrohung der Soldaten, die für das Überstehen der Kriegsschrecken notwendig ist. Dass der Krieg auch abseits der Schlachtfelder sich der Köpfe bemächtigt, zeigt sich schon früh in einer der wenigen friedlichen Szenen: Nachdem sie ein feindliches Dorf eingenommen haben, suchen Collier und Norman bei zwei deutschen Frauen ein bisschen Ruhe und lassen sich bekochen. Als die betrunkenen Kameraden durch die Tür brechen und „mitfeiern“ wollen, versauen sie allen Anwesenden mit ihrem Verhalten und ihren Kriegsgeschichten die Stimmung. Die Brutalität ist überall, vor allem in den Gedanken und die vermeintlichen Helden der Schlacht entpuppen sich als die eigentlichen Opfer.

Brutal genug geht es aber auch im eigentlichen Gefecht zu, insbesondere in den spannenden Panzerduellen, die ein Highlight des Films darstellen. Gekonnt inszeniert Ayer die unbekannte Perspektive, indem er den Zuschauern die Anspannung innerhalb des Panzers zeigt – Laden, Zielen, Schießen, in gefährlicher Langsamkeit, die Panik erzeugt. Leider scheinen die Macher zur Demonstration der Kriegsgrauen die Holzhammermethode gewählt zu aben. „Herz aus Stahl“ muss sich wieder den Vergleich mit Steven Spielbergs Soldatensuche gefallen lassen; denn während Tom Hanks damals noch wie hypnotisiert das Gemetzel am D-Day betrachtete und das Publikum durch die lähmende Beiläufigkeit des Todes schockiert war, kenn Ayer vor allem eins: Nahaufnahmen. Soldaten werden von Panzerketten zerquetscht, von Kugeln in Stücke gerissen und die Kamera hält drauf. Fast scheint es, als wolle er das Blut zeigen. Nur leider verliert der Schrecken dadurch seinen Horror.

Ein weiteres Problem liegt in der Unschärfe des Konflikts: Man versteht, was der Film sagen möchte, jedoch nur schwammig. Normans Wandel vom Gewaltverweigerer zur Tötungsmaschine hakt wichtige Schlüsselszenen halbherzig ab. Den Charakteren wird wenig Raum für Entwicklung gegeben und die Nazis müssen mal wieder als gesichtslose Bösewichter herhalten. Zwar gestattet man den Deutschen hie und da einige Zwischentöne, in der nächsten Szene marschieren sie jedoch schon wieder singend in Reih und Glied, wie es sich für eine konturlose Drohkulisse gehört.

Große Schritte hätten gemacht werden können, wenn man den „Helden“ ein paar Flecken auf der sonst so weißen Weste gestattet hätte. Der zweite Weltkrieg bietet ein vielfältiges Buffet an Gräueltaten, an dem sich alle Beteiligten bedient haben, auch wenn die Nazis natürlich die eigentlichen Vielfraße gewesen sind. Collier und seine Kameraden bleiben größtenteils lammfromm und verspielen damit eine sehr spannende Story, die dem eigentlichen Thema hätte gerecht werden können – ein gefallener Held, der nicht besser ist als die Monster, die er bekämpft hätte den Nagel endgültig versenken können. Doch in Hollywood müssen „Helden“ eben Helden sein, keine Ausnahmen erlaubt.

Schauspielerische Glanzleistungen findet man im Schmutz des Settings leider nicht. Brad Pitt spielt eine Light-Version seiner Rolle aus „Inglorius Basterds“ und wirkt nicht nur dank der Maske unglaublich alt. Da hat man schon besseres gesehen. Michael Pena als Panzerfahrer „Gordy“ mimt den Quoten-Mexikaner und ist so unwichtig, dass er während einer entscheidenden Schlacht für gefühlte zehn Minuten aus dem Bild verschwindet, bis sein Dialogeinsatz ihn wieder auf den Plan ruft. Eine der größten Leistungen des Films besteht darin, Shia LaBeouf wieder sympathisch zu machen: Auch wenn Richtschütze „Bibel“ konstant wirkt, als breche er jede Sekunde in Tränen aus, merkt man, dass LaBeouf eigentlich doch spielen kann. Die beste Leistung liefert jedoch Jon Bernthal ab (den einige vielleicht als Shane aus „The Walking Dead“ wiedererkennen). Er schafft es, seinem Part als Munitionslader „Rattenarsch“ Grady echtes Leben einzuhauchen und spielt herrlich ein vom Krieg traumatisiertes Arschloch. Super!

Am Ende wird klar, dass „Herz aus Stahl“ sich zu große Ziele gSesetzt hat. Was ein packendes Drama über die Auswirkungen des Krieges auf die Kämpfenden hätte werden können, fühlt sich wie ein mäßiger Hollywood-Kompromiss an. Eine konsequentere Umsetzung des Stoffes hätte dem Kriegsfilm für die heutige Zeit wieder eine Relevanz verleihen können – was bleibt, sind jedoch nur einige spannende Panzerschlachten ohne den nötigen Bums.

Herz aus Stahl (2014)
Brad Pitt, Shia LaBeouf, Logan Lerman, Jon Bernthal
Regie: David Ayer
„Herz aus Stahl“ auf imdb.com

Bild © Columbia Pictures

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